Samstag, Juni 8, 2024
Leben

Trennung ohne Scheidung – Ist das sinnvoll?

Nachdem die Scheidungsquote in Deutschland 2005 einen Höchststand erreichte, war sie bis 2018 rückläufig, steigt seitdem jedoch wieder an. In der Statistik sind keine Paare erfasst, die zwar offiziell noch verheiratet sind, in der Praxis aber getrennt leben.

Warum lassen sich manche Paare nicht scheiden?

Der Grund ist einfach. Sie treibt die Frage um: Was kostet eine Scheidung? Aus Angst vor zu hohen Kosten lassen sie sich nicht scheiden, sondern leben lieber getrennt. Zwar fordert das Gesetz (bis auf extreme Ausnahmesituationen), dass ein Ehepaar vor der Scheidung mindestens 1 Jahr getrennt leben sollte, aber als Dauerzustand ist eine Trennung wenig sinnvoll.

Warum ist das so?

Weil trotz der Trennung die eheliche Lebensgemeinschaft nach wie vor existiert. Das bedeutet, die Eheleute sind füreinander verantwortlich. Kann einer der Partner zum Beispiel nicht mehr arbeiten, ist der anderen dazu verpflichtet, ihm oder ihr Trennungsunterhalt zu bezahlen. Auch Verpflichtungen aus gemeinsam aufgenommenen Krediten müssen die Eheleute gemeinsam bedienen. Versicherungsverträge laufen weiter. Falls kein Ehevertrag abgeschlossen wurde, besteht bei einer Trennung ohne Scheidung die so genannte Zugewinngemeinschaft weiter.

Das bedeutet, dass alle Werte, die während der Ehe durch die beiden Partner erwirtschaftet werden, bei der Scheidung zusammengelegt und aufgeteilt werden.

Je länger die Trennung ohne Scheidung andauert, umso mehr gewinnt dabei der finanziell schwächere Partner. Der finanziell besser gestellte Partner (meistens der Mann) arbeitet praktisch für den weniger gut gestellten. Das allein führt die Angst vor der Frage: Was kostet eine Scheidung ad absurdum und stellt sie als wenig sinnvoll dar. Übrigens, so lange die Ehe formell noch Bestand hat, muss der finanziell besser gestellte Partner Rentenpunkte an seinen Ehepartner abgeben. Sollte er versterben, steht dem Ehepartner selbst beim Vorhandensein eines Testaments der Pflichtteil zu.

Was kostet eine Scheidung

Gibt es gemeinsame Kinder, ist die Sachlage noch komplizierter. Trotz der Trennung bleibt nämlich das gemeinsame Sorgerecht der Ehepartner bestehen. Der Partner, bei dem das Kind lebt, trifft zwar die alltäglichen Entscheidungen, über große Dinge müssen sich die Eheleute aber einigen.

Was sagt das Gesetz zum Thema Trennung ohne Scheidung?

Der Fall wird im Gesetz nicht besonders behandelt, weil er nur als vorübergehender Zustand gemeint ist. Im Prinzip kann niemand die Eheleute zwingen, sich scheiden zu lassen. Wenn sie wollen, können sie bis ans Lebensende getrennt wohnen. Eine Ehe kann man nicht automatisch scheiden. Die Scheidung kann nur auf Antrag mindestens einer der beiden Parteien erfolgen. Dauert die Trennung bereits mehr als 3 Jahre an, kann die Ehe auch gegen den Willen des Partners geschieden werden.

Wie hoch sind die Kosten einer Scheidung?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten, denn die Beantwortung der Frage: Was kostet eine Scheidung hängt letztendlich vom Streitwert oder Verfahrenswert ab. Der wird vom Gericht auf mindestens 4.000 Euro angesetzt. Daraus ergeben sich Mindestkosten von 917,50 Euro. In der Praxis sind die Kosten meistens weniger hoch als befürchtet. Ein geschickter Anwalt kann mit dem Gericht einen Nachlass um bis zu 30 Prozent aushandeln.

 

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